Ob für den Urlaub mit dem Wohnwagen, den Transport eines Pferdes oder den Umzug in ein neues Zuhause – oft reicht der normale Pkw-Führerschein der Klasse B nicht aus. Sobald schwere Lasten bewegt werden müssen, stößt man schnell an die gesetzlichen Gewichtsgrenzen. Genau hier setzt der BE-Führerschein an und erweitert Ihre Möglichkeiten erheblich. Er ist die unverzichtbare Qualifikation für das Führen von großen und schweren Anhängergespannen in Deutschland.
Dieser Ratgeber bietet Ihnen einen umfassenden Überblick über alles, was Sie für den Erwerb der Fahrerlaubnisklasse BE in den Jahren 2025 und 2026 wissen müssen. Wir erklären detailliert die Voraussetzungen, den Ablauf der Ausbildung, die anfallenden Kosten und die Inhalte der praktischen Prüfung. So sind Sie bestens vorbereitet, um sicher und legal mit Ihrem Anhänger durchzustarten.
Wann ist der BE-Führerschein wirklich notwendig?

Viele Autofahrer sind unsicher, wann genau die Klasse B nicht mehr ausreicht. Die Regelungen um die zulässige Gesamtmasse (zGM) können verwirrend sein. Grundsätzlich gilt: Der BE-Führerschein wird immer dann zur Pflicht, wenn die zulässige Gesamtmasse Ihres Anhängers 3.500 kg übersteigt oder die Kombination aus Zugfahrzeug und Anhänger die Grenzen der Klasse B oder der Erweiterung B96 sprengt.
Um die richtige Fahrerlaubnis für Ihr Gespann zu ermitteln, sollten Sie die folgenden Abstufungen kennen:
- Klasse B: Erlaubt das Führen von Gespannen mit einer kombinierten zGM von bis zu 3.500 kg. Der Anhänger darf dabei schwerer als 750 kg sein, solange die Gesamtmasse des Gespanns diesen Wert nicht überschreitet.
- Erweiterung B96: Dies ist keine eigene Führerscheinklasse, sondern eine Erweiterung der Klasse B. Nach einer Fahrerschulung (ohne Prüfung) dürfen Sie Gespanne mit einer kombinierten zGM von bis zu 4.250 kg fahren.
- Klasse BE: Erlaubt das Ziehen von Anhängern mit einer eigenen zGM von bis zu 3.500 kg. Die kombinierte Gesamtmasse von Zugfahrzeug (bis 3.500 kg) und Anhänger kann somit bis zu 7.000 kg betragen.
Voraussetzungen und Ausbildung für die Klasse BE

Der Weg zum BE-Führerschein ist unkomplizierter als viele annehmen, da der Fokus rein auf der Praxis liegt. Eine erneute theoretische Ausbildung ist nicht erforderlich. Um mit der Ausbildung beginnen zu können, müssen Sie jedoch einige grundlegende Kriterien erfüllen, die in der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) festgelegt sind.
Die wichtigsten Voraussetzungen im Überblick:
- Vorbesitz der Klasse B: Sie müssen bereits im Besitz des Pkw-Führerscheins sein. Es ist jedoch oft möglich, die Ausbildung für B und BE kombiniert zu absolvieren.
- Mindestalter: Das reguläre Mindestalter für die Klasse BE beträgt 18 Jahre. Im Rahmen des Begleiteten Fahrens (BF17) kann die Fahrerlaubnis bereits mit 17 Jahren erworben werden.
- Kein neuer Sehtest oder Erste-Hilfe-Kurs: Da diese Nachweise bereits für die Klasse B erbracht wurden, sind sie für die Erweiterung auf BE nicht erneut erforderlich.
- Antrag bei der Behörde: Wie bei jedem Führerscheinerwerb müssen Sie einen Antrag bei der zuständigen Fahrerlaubnisbehörde stellen. Ihre Fahrschule unterstützt Sie dabei.
Die praktische Ausbildung: Sonderfahrten statt Theorie
Die Ausbildung für den BE-Führerschein konzentriert sich vollständig auf das praktische Fahren. Eine theoretische Prüfung gibt es nicht. Die Anzahl der regulären Übungsstunden ist gesetzlich nicht festgelegt und richtet sich nach Ihren individuellen Fähigkeiten und Fortschritten. Ihr Fahrlehrer wird beurteilen, wie viele Stunden Sie benötigen, um das Gespann sicher zu beherrschen.
Verpflichtend sind jedoch die sogenannten Sonderfahrten, die besondere Verkehrssituationen abdecken. Diese umfassen insgesamt fünf Fahrstunden à 45 Minuten:
- 3 Stunden Überlandfahrt: Fahren auf Land- und Bundesstraßen.
- 1 Stunde Autobahnfahrt: Üben des Fahrens bei höheren Geschwindigkeiten, inklusive Auf- und Abfahrten.
- 1 Stunde Dämmerungs- oder Nachtfahrt: Fahren bei schlechten Lichtverhältnissen.
Kosten für den BE-Führerschein 2025/2026 im Detail
Die Gesamtkosten für den Anhängerführerschein variieren je nach Region, Fahrschule und der Anzahl der benötigten Übungsstunden. Für die Jahre 2025 und 2026 sollten Sie mit einem Betrag zwischen 500 € und 900 € rechnen. Um böse Überraschungen zu vermeiden, empfiehlt es sich, vorab Angebote von mehreren Fahrschulen einzuholen.
Die Kosten setzen sich in der Regel aus den folgenden Posten zusammen:
| Kostenpunkt | Durchschnittliche Kosten (ca.) |
|---|---|
| Grundgebühr der Fahrschule | 70 € – 150 € |
| Übungsfahrt (à 45 Min.) | 60 € – 80 € |
| Sonderfahrten (5 Stunden) | 350 € – 450 € (oft als Paket) |
| Vorstellungsentgelt zur prakt. Prüfung (Fahrschule) | 100 € – 180 € |
| Prüfungsgebühr (TÜV/DEKRA) | ca. 120 € |
| Antrag bei der Fahrerlaubnisbehörde | 40 € – 50 € |
Die praktische Prüfung: Der letzte Schritt zum Ziel

Die praktische Prüfung ist der abschließende Teil Ihrer Ausbildung und dauert seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2021 mindestens 55 Minuten. In dieser Zeit müssen Sie dem Prüfer zeigen, dass Sie das Fahrzeuggespann unter realen Bedingungen sicher und vorschriftsmäßig bewegen können. Neben dem Fahren im Verkehr stehen auch technische Fertigkeiten im Fokus.
Zu den zentralen Elementen der Prüfung gehören:
- Verbinden und Trennen: Sie müssen den Anhänger korrekt an- und abkuppeln und dabei die Sicherheitsvorkehrungen beachten.
- Sicherheitskontrolle: Überprüfung der Beleuchtung, der Reifen und der Bremsanlage des Anhängers.
- Grundfahraufgaben: Hierzu zählt in der Regel das sichere Rückwärtsfahren um eine Ecke nach links.
- Fahrt im Straßenverkehr: Sie absolvieren eine Prüfungsfahrt, die innerörtliche, außerörtliche und Autobahnabschnitte beinhalten kann, um Ihre allgemeine Fahrkompetenz zu beweisen.
Eine gute Vorbereitung in der Fahrschule ist der Schlüssel zum Erfolg. Nutzen Sie die Fahrstunden, um alle Manöver zu verinnerlichen und Sicherheit im Umgang mit den Abmessungen und dem Fahrverhalten des Gespanns zu gewinnen. Weitere Informationen zu den verschiedenen Führerscheinklassen in Deutschland finden Sie in unserem umfassenden Überblick.


Na sowas! Da lese ich diesen „umfassenden Leitfaden“ zum BE-Führerschein und kann nur ungläubig den Kopf schütteln. Anhängergespanne? Extra Führerschein? Was für ein Zirkus ist das denn heute geworden!
Ich hab meinen Lappen noch in der DDR gemacht, bei der GST, der Gesellschaft für Sport und Technik. Da war das keine Frage von „Grenzen der zulässigen Gesamtmasse“ und noch einem extra Schein für den Wohnwagen. Da wurde man zum Autofahrer ausgebildet, ganz oder gar nicht. Und das war eine Ausbildung, sage ich euch! Militärisch streng, ja, aber auch umfassend und vor allem: fast kostenlos! Ein paar Mark für Lehrmaterial, das war’s. Disziplin war angesagt, Respekt vor der Technik und vor der Straße. Da wurde nicht lange gefackelt,
Vielen dank für deinen kommentar und die spannenden einblicke in deine erfahrungen mit dem führerscheinerwerb in der ddr. es ist faszinierend zu sehen, wie sich die regelungen und die ausbildung im laufe der zeit verändert haben und wie unterschiedlich die ansätze waren. deine beschreibung der gst-ausbildung klingt in der tat sehr gründlich und praxisorientiert, wenn auch streng.
es stimmt, dass die anforderungen an führerscheine, insbesondere für anhängergespanne, heute deutlich komplexer sind und es mehr spezialisierungen gibt. das hat sicherlich auch mit der entwicklung der fahrzeuge, der verkehrsdichte und den sicherheitsstandards zu tun. es ist immer interessant, verschiedene perspektiven auf solche entwicklungen zu hören.
schau dir gerne auch andere artikel in meinem profil an, vielleicht findest du dort weitere themen, die dich interessieren.
Echt jetzt? Immer nur Autos, Anhänger, BE-Führerschein… Ich sitze hier gerade in der Fahrschule für Klasse A und hab das Gefühl, die ganze Welt dreht sich nur um vier Räder. Wo sind denn mal Tipps für uns Biker? Wie gehe ich am besten mit den Grundfahraufgaben um? Welche Schutzkleidung ist wirklich wichtig und wie sorge ich dafür, dass mich diese ganzen Autofahrer auf der Straße auch mal sehen? Es gibt auch noch andere Verkehrsteilnehmer, die ganz andere Herausforderungen haben!
Vielen Dank für deinen Kommentar und deine ehrliche Rückmeldung. Es tut mir leid, wenn der Eindruck entstanden ist, dass sich meine Artikel hauptsächlich um Autos und Anhänger drehen. Du hast vollkommen recht, die Welt des Straßenverkehrs ist viel vielfältiger und Motorradfahrer haben ganz eigene, wichtige Themen und Herausforderungen.
Deine Anregungen sind sehr wertvoll und ich nehme sie gerne auf. Es ist mir wichtig, Inhalte zu bieten, die für alle Verkehrsteilnehmer relevant sind. Ich werde mir vornehmen, in Zukunft vermehrt Artikel zu verfassen, die sich speziell an Motorradfahrer richten und Themen wie Grundfahraufgaben, Schutzkleidung und Sichtbarkeit im Straßenverkehr behandeln. Schau doch mal in den anderen Artikeln, die ich veröffentlicht habe, vielleicht findest du dort auch schon etwas Interessantes.