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[Gelöst] Sicherheitsabstand: Wie macht ihr das?

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(@mAx ScHmİdT)
Beigetreten: Vor 1 Jahr
Beiträge: 501
Themenstarter  

Hey Leute, ich hab echt Probleme damit, den richtigen Sicherheitsabstand einzuschätzen. Mein Fahrlehrer sagt immer "halber Tacho", aber in der Praxis fühlt sich das so schwierig an. Manchmal hab ich das Gefühl, ich bin zu nah dran, dann wieder viel zu weit weg.

Besonders auf der Autobahn oder wenn der Verkehr dichter wird, kriege ich da die Panik. Wie macht ihr das? Habt ihr da irgendwelche Tricks oder Faustregeln, die wirklich helfen, das richtig einzuschätzen und nicht immer nur zu raten? Bin für jeden Tipp dankbar!



   
Zitat
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(@LukasPodolskiFan)
Beigetreten: Vor 5 Monaten
Beiträge: 1
 

Ach, mein junger Freund, das mit dem Sicherheitsabstand, das kenne ich nur zu gut! Als alter Hase hinter dem Steuer, der schon so manche Kilometer auf dem Buckel hat, kann ich dir sagen: Das ist keine Hexerei, aber es braucht ein bisschen Übung und vor allem ein gutes Gefühl für die Straße. Dein Fahrlehrer hat ja mit dem "halben Tacho" schon eine gute Faustregel auf Lager, das stimmt schon. Aber ich verstehe dich vollkommen, im Eifer des Gefechts, wenn der Verkehr drängelt und die anderen Fahrer vielleicht nicht ganz so aufmerksam sind, da gerät man schnell ins Grübeln.

Ich erinnere mich noch gut an meine eigene Fahrschulzeit, das war in den frühen 70ern. Da gab's noch keine digitalen Tachos, da musste man noch mit dem Zeiger arbeiten, und die Autos waren ganz anders. Mein Fahrlehrer damals, Herr Müller, ein gestandener Mann mit einem Schnurrbart, der aussah wie eine Dampfwalze, der hat uns immer wieder eingebläut: "Augen auf, Ohren auf und vor allem: Denk mit dem Hirn, nicht mit dem Fuß!" Und mit dem Abstand war das ganz ähnlich. Er hat uns nie eine magische Zahl genannt, sondern immer wieder gesagt: "Schau auf den Vordermann. Was macht der? Bremst er sanft an oder haut er voll rein? Und was für ein Auto fährt der? Ein kleiner Kompakter oder ein schwerer Laster?"

Ich kann dir eine kleine Anekdote erzählen. Ich war damals noch frisch dabei, hatte gerade meinen Führerschein und war ganz stolz auf meinen ersten eigenen Wagen, einen kleinen VW Käfer. Ich war auf dem Weg zu meiner Freundin, die damals in einer anderen Stadt wohnte. Wir fuhren auf einer Landstraße, ganz idyllisch, mit Feldern links und rechts. Vor mir fuhr ein älterer Herr in einem riesigen Opel Diplomat, so ein Schiff von Auto. Er fuhr gemütlich, vielleicht 50 km/h. Ich war natürlich aufgeregt und wollte schnell da sein, hab mich also dem Abstand genähert, vielleicht so auf 10 Meter. Plötzlich hat der Opel-Fahrer eine Vollbremsung hingelegt, weil ein Reh über die Straße sprang. Ich sag dir, mein Herz ist mir in die Hose gerutscht! Ich hab auch gebremst, was das Zeug hielt, und bin gerade so zum Stehen gekommen, vielleicht einen halben Meter hinter ihm. Da hab ich gelernt: Ein großer, schwerer Wagen braucht länger zum Bremsen. Und wenn ein Reh springt, dann ist das ein unvorhergesehenes Ereignis, da kannst du dich nicht drauf verlassen, dass der Vordermann es sieht. Seitdem hab ich gelernt, bei solchen größeren Autos immer einen größeren Puffer einzuplanen, auch wenn sie langsam fahren.

Auf der Autobahn, das ist wieder eine andere Geschichte. Da ist man ja oft schneller unterwegs. Der "halbe Tacho" ist da schon eine ganz gute Richtlinie. Wenn du 120 fährst, dann sind das 60 Meter Abstand. Das klingt erstmal viel, aber denk mal drüber nach, wie schnell sich die Zeit anfühlt, wenn du so schnell fährst. Das sind im Prinzip zwei Sekunden. Zwei Sekunden, um zu reagieren, wenn der Vordermann bremst. Das ist eigentlich das Minimum, was man haben sollte.

Ich hab mir da mal so einen kleinen Trick angewöhnt, den ich schon seit Jahrzehnten benutze. Wenn ich hinter einem anderen Auto herfahre, suche ich mir einen festen Punkt auf der Straße oder am Straßenrand. Das kann ein Leitpfosten sein, ein Schild, ein Baum. Und dann zähle ich, wie lange ich brauche, um diesen Punkt zu erreichen, wenn ich mit gleichbleibendem Abstand am Vordermann vorbeifahre. Wenn ich diesen Punkt in etwa zwei Sekunden erreiche, dann passt der Abstand. Wenn ich ihn schneller erreiche, bin ich zu nah dran. Wenn ich viel länger brauche, bin ich vielleicht zu weit weg, aber lieber zu weit als zu nah, oder?

Ein anderer Tipp, der mir immer geholfen hat, besonders wenn der Verkehr dichter wird und es auf der Autobahn mal stockt: Denk an die "drei Sekunden Regel". Das ist im Grunde dasselbe wie der halbe Tacho, nur dass es sich besser anfühlt, weil man es in Sekunden misst. Such dir wieder einen Punkt, den das Auto vor dir gerade passiert hat. Wenn du diesen Punkt mit deinen eigenen Augen überquert hast und es dann noch mindestens drei Sekunden dauert, bis du ihn mit deinen Augen erreichst, dann ist der Abstand gut. Das gibt dir mehr Luft zum Reagieren. Gerade wenn es schnell geht und die anderen drängeln, ist das Gold wert.

Ich erinnere mich an eine Situation auf der A3, das war vor gut zwanzig Jahren. Wir waren im Stau, zähflüssig, alle so um die 50-60 km/h. Vor mir fuhr ein junger Mann in einem schicken Sportwagen. Der war so nah dran an dem Auto vor ihm, ich hab gedacht, der will gleich eine Umarmung verteilen. Und dann, zack, hat der Vordermann voll in die Eisen gehauen, weil irgendein Idiot auf der mittleren Spur plötzlich ausgeschert ist. Der Sportwagenfahrer hat dann auch noch gebremst, aber es war so knapp, ich hab gedacht, die stoßen zusammen. Ich hab dann meinen Abstand gehalten, und als der Stau sich dann wieder gelöst hat, hab ich den jungen Mann mal angeschaut. Der war blass wie eine Wand. Da hab ich mir gedacht: "Siehst du, mein Freund, das ist es, was ich dir schon immer gesagt habe. Lieber ein paar Meter mehr Abstand und dafür ruhig und sicher ans Ziel kommen."

Und dann gibt es noch das Wetter. Bei Regen, Schnee oder Eis musst du den Abstand natürlich verdoppeln oder sogar verdreifachen. Das ist eigentlich logisch, denn die Bremswege werden ja länger. Das vergessen viele. Wenn es draußen nass ist, dann denk dran, dass du mehr Platz brauchst, um sicher zum Stehen zu kommen.

Im Grunde ist es wie beim Tanzen. Man muss den Rhythmus des anderen spüren, ein bisschen vorausahnen, was kommt. Und das lernt man nur durch Übung. Mach dir keine Panik. Nimm dir Zeit. Schau dich um. Beobachte die anderen Verkehrsteilnehmer. Und vertraue auf dein Gefühl. Anfangs ist es vielleicht noch ein Raten, aber mit der Zeit wird es zur Gewohnheit. Und wenn du dich mal unsicher fühlst, dann bremse lieber ein kleines bisschen früher ab, oder lass einen größeren Abstand. Lieber einmal zu viel gebremst als einmal zu wenig. Und sag dir immer: "Ich bin hier der Herr im Haus, ich bestimme, wann ich wie schnell fahre und wie viel Platz ich brauche." Das gibt einem auch Selbstvertrauen.

Also, mein Rat an dich: Üben, üben, üben. Und denk dran, der Sicherheitsabstand ist nicht nur für dich da, sondern auch für die anderen. Ein bisschen Rücksicht und vorausschauendes Fahren, das ist das A und O. Und wenn du mal wieder im Auto sitzt und dir unsicher bist, dann denk an den alten Mann mit dem Schnurrbart und seinen weisen Worten. Das hat mir immer geholfen. Alles Gute dir auf den Straßen!



   
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